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Der grosse (Elektro-)Poker: BMW geht aufs Ganze

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Das Wichtige in Kürze

Mit dem ersten Integrierten Konzernbericht erkennt BMW an, dass Geschäftsmodell und Nachhaltigkeit nicht voneinander zu trennen sind und der Konzern sowohl nach finanziellen als auch nach nicht-finanziellen Parametern gesteuert werden muss. Seine Veröffentlichung markiert den Abschluss einer wichtigen Phase der internen Zielsetzung und des Kulturwandels. Ein wichtiges Ziel: Bis 2030 sollen 50 % aller eingesetzten Fahrzeuge batterieelektrisch sein.

Um was geht es

Am 17. März 2021 hat die BMW Gruppe einen Integrierten BMW Group Bericht veröffentlicht, der erstmals den Geschäftsbericht und den Sustainable Value Report für das Berichtsjahr 2020 vereint.

Warum ist das wichtig

Die deutsche Automobilindustrie befindet sich inmitten eines tiefgreifenden Umbruchs, der auch als "grösste Krise seit der Erfindung des Automobils" bezeichnet wird. Die kombinierten tektonischen Verschiebungen von Elektrifizierung, autonomem Fahren und "Shared Mobility as a Service" bedrohen alle etablierten Unternehmen bis ins Mark. Die Verantwortlichen von BMW sehen jedoch weiterhin viel Raum für Wachstum in der Automobilbranche. Das ist nicht verwunderlich, denn der Verbrennungsmotor ist nach wie vor deutlich profitabler als seine elektrischen Alternativen.

Folglich gibt es Druck von Seiten der Investoren, die verstehen wollen, wie BMW und die anderen führenden Automobilhersteller beabsichtigen, den enormen wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Druck dieser globalen Transformation zu bewältigen, oder, wenn man so will, zu überleben.

Bisher war es selten, dass ein globaler Branchenführer den Investoren und allen anderen relevanten Stakeholdern ein einziges kohärentes Narrativ geliefert hat. Meist blieben die Investoreninformationen in konventionellen "Business-as-usual"-Prognosen stecken, während dieselben Unternehmen Hochglanz-Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichten, die eine fast utopische Zukunft der digitalen und grünen Mobilität malten.

BMW signalisiert mit seinem Integrierten Konzernbericht erstmals, dass die eine Form des Erfolgs (nämlich die finanzielle) nicht ohne die andere (nämlich die Leistung für Gesellschaft und Umwelt) erreicht werden kann. Und er unterstreicht, dass Unternehmen ihre langfristigen Investoren auf diese anspruchsvolle Reise des kompletten Umbaus einer Branche mitnehmen und eine kontinuierliche, ehrliche und überzeugende Berichterstattung liefern müssen.

Die Globalance Sicht

Die grossen deutschen Autokonzerne überbieten sich derzeit gegenseitig mit Ankündigungen zur Elektrifizierung und einem kompletten Umbau der Branche. Umso wichtiger sind radikale Transparenz und Rechenschaftsablage.

BMW geht mit seinem ersten integrierten Bericht einen wichtigen Schritt. Er unterstreicht, wie tiefgreifend und anspruchsvoll die Transformation einer komplexen, global vernetzten Branche ist.

Der Bericht enthält bemerkenswerte Aussagen: Es wurden ehrgeizige CO2-Reduktionsziele für 2030 festgelegt und kaskadenförmig in der Organisation verankert, die mit finanziellen Leistungsindikatoren verknüpft sind; ein Ziel von 50 % batteriebetriebenen Elektroautos (BEV) bis 2030 ist ehrgeizig, und in der Produktion gilt ab sofort die Verwendung von recycelten Materialien als Priorität.

Da wir wissen, dass ingenieurgeführte europäische Konzerne niemals öffentliche Verpflichtungen eingehen, ohne detaillierte interne Pläne, wie sie diese erreichen wollen, ist der Schritt von BMW umso bemerkenswerter: Die Verknüpfung von nicht-finanziellen mit finanziellen Leistungsindikatoren erforderte vermutlich eine Neukalibrierung der Buchhaltungssysteme, um Ziele messbar und Ergebnisse überprüfbar zu machen. Es braucht nicht viel, um anzunehmen, dass dieser erste externe integrierte Bericht den Abschluss einer wichtigen Phase der internen Zielsetzung und des Kulturwandels markiert. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

Die eigentliche Herausforderung: Wie wird eine Netto-Null-Welt "Premium-Mobilität" definieren, und kann BMW auch diesen Begriff transformieren?

Offenlegung: Globalance investiert in seinen Mandaten oder Fonds derzeit nicht in BMW.

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